TM: 51:49 - das ist Ihre Lieblingsformel. Was bedeutet sie?
Rolf Ruhleder: Das mindestens 51% Äußerlichkeiten und persönliche Dinge sind. Nur maximal 49% sind Fachwissen. Je höher sie in der Position kommen, machen die Äußerlichkeiten 80% bis 90% aus. Für den Rest haben Führungskräfte Spezialisten in ihrer Mannschaft.
TM: Können Sie uns einige Beispiele aus Wirtschaft und Politik nennen, die sich Ihrer Meinung nach ganz hervorragend verkaufen und gleichermaßen inhaltlich überzeugend sind?
Rolf Ruhleder: Oh ja, manche sind leider - leider - auch gut. Obwohl sie nicht „Ruhleder-geprägt“ sind! Ich denke an Hasso Plattner, der charismatische Begründer von SAP, Jochen Zeitz - Puma-Chef, Heinrich von Pierer und sein Nachfolger Klaus Kleinfeld. Klaus Kleinfeld war wegen seiner kommunikativen Klasse in Liebling der Presse. Auch der Ministerpräsident von Niedersachsen, Christian Wulff beweißt, dass man lernen kann, sich hervorragend zu verkaufen. Auch gibt es Unternehmer-Dynastien - wie zum Beispiel die gesamte Familie Underberg - die sich hervorragend darstellen können.
TM: Wo wir schon einmal bei prominenten Menschen des öffentlichen Lebens sind. Warum verpflichten Sie viele Wirtschaftsbosse, Politiker, Künstler und Sportler zur Schweigsamkeit, wenn sie von Ihnen geschult werden.
Rolf Ruhleder: Ich bedaure natürlich sehr, dass ich so wenig Namen nennen darf.
TM: Können Sie mir trotzdem Namen und Firmen nennen, die Sie geschult haben?
Rolf Ruhleder: Ja, schon. Von Künstlern bis hin zu Politikern. Justus Frantz - unser Klavierspieler, Jan Hofer - der Tagesschau-Sprecher, Bodo Hombach, Staatsminister Walter Momper - Berlin, HSV, Sony, Porsche, Bayer, GlaxoSmithKline und wenn es um Einzelteilnehmer geht, war das „who is who“ der deutschen Wirtschafsunternehmen schon in meinem Seminaren. Fast alle Dax-Unternehmen haben schon ihre Mitarbeiter entsandt.
TM: Kommen wir weg von denen, die es bereits geschafft haben, zu denen die auf dem Sprung sind. Begeben sich vermehrt Jüngere in Ihre Seminare?
Rolf Ruhleder: Oh ja, es kommen immer mehr Söhne und Töchter von Unternehmen und Vorständen. Das heißt, junge Akademiker, die nun in das Unternehmen ihres Vaters einsteigen. Viele Väter waren bei mir, also soll auch der Nachwuchs durch eine harte Schule gehen.
TM: Es reizt mich schon die ganze Zeit, die immense Schlagfertigkeit, die man Ihnen nachsagt, zu testen. Erlauben Sie?
Rolf Ruhleder: Ich bitte sogar darum!
TM: Finden Sie, dass 3.000 Euro Seminargebühr pro Person für ein 3-tägiges Seminar, bzw. 15.000 Euro Tagesgage für eine firmeninterne Schulung wirklich im Verhältnis zum Nutzen der Teilnehmer stehen?
Rolf Ruhleder: 12.000 bis 15.000 Teilnehmer pro Jahr können nicht irren! Eine gute Nachricht verbreitet sich sechs Mal, eine schlechte 22 Mal. Dies ist ein amerikanischer Wert. Ich glaube jedoch, dass in Deutschland die Relation 1:10 ist: Eine gute Nachricht wird hingenommen, eine schlechte wird 10 Mal verbreitet. Wenn diese Veranstaltungen nicht den Anforderungen meiner Führungskräfte und Verkäufer entsprechend würden, wäre ich wohl nicht von Ihnen zu diesem Interview ausgewählt worden.
TM: Tolle Antwort! Chapeau!! Wie Sie wissen befasst sich unser Magazin mit den schönen Dingen des Lebens. Sie tragen Maßanzüge, wohnen in den besten Hotels und haben eine Villa auf Mallorca. Dennoch sind dies Dinge, die man von einem Paradiesvogel wie Ihnen schon fast erwartet. Angenommen Sie hätten einen Wunsch frei, welcher wäre das?
Rolf Ruhleder: Im nächsten Interview einen Fehler von Ihnen...
TM: Ich verspreche Ihnen im nächsten Interview einige Fehler einzubauen. Herzlichen Dank für das (tolle) Gespräch.